Alessandro Mendini

Alessandro Mendini

Der italienische Designer und Architekt Alessandro Mendini wurde am 16. August 1931 in Mailand geboren und starb dort am 18. Februar 2019. Mendini stellte in der italienischen Designerszene eine Ausnahmeerscheinung dar. Sein Ruhm strahlte weit über Italien hinaus. Viele Designer und Architekten bewegten sich auf seinen Spuren. Außer seiner eher praktischen Design- und Baukunst gab Mendini auch die Zeitschriften Casabella, Domus und Modo heraus. Als Chefredakteur bestimmte er die Geschicke der Publikationen maßgeblich mit.

Eine Karriere mit gesellschaftspolitischem Anspruch

Mendini absolvierte ein Studium der Architektur am Polytechnikum Mailand im Jahr 1959. Dann verdiente er sich erste Sporen im Architekturbüro Nizzoli Associati. Als in den 1970er-Jahren die Protestbewegung „Radical Design“ auf sich aufmerksam machte, war Mendini einer der führenden Köpfe. Diese Bewegung schuf nicht nur ein neues Design, sondern strebte auch die gesellschaftlichen Veränderungen an, die seit der Studentenbewegung in der Luft lagen. Der Konsum gehörte ebenso zu den Feindbildern wie der Funktionalismus.

Im Jahr 1973 gehörte Mendini zu den Gründungsmitgliedern von „Global Tools“. Die Gruppe rief linksgerichtete Design-Werkstätten ins Leben und förderte alternative Ansätze in den Bereichen Kunst und Design. Sechs Jahre später begann er, im Studio Alchimia zu wirken. Hier arbeitete er mit vielen Größen der Szene zusammen, z. B.:

  • Ettore Sottsass
  • Andrea Branzi
  • Michele De Lucchi
  • Robert und Trix Haussmann

1982 erfolgte eine weitere Gründung unter seiner Mitwirkung, nämlich der ersten postgradualen Designschule (Domus Academy Mailand). Im Jahr 1989 hob Mendini zusammen mit seinem jüngeren Bruder Francesco das Studio Mendini aus der Taufe.

Parallel zu seinem bahnbrechenden Schaffen als Designer und Architekt hinterließ er auch als Chefredakteur Spuren. Bei den folgenden Zeitschriften war er tätig:

  • Casabella (1970 – 1976 als Chefredakteur)
  • Modo (1977 – 1981 als Chefredakteur)
  • Domus (1979 – 1985 & 2010 – 2011 als Herausgeber)
  • Ollo (1988 als Gründer)

Mendinis Werk

Mendini gehörte sein Leben lang zu den Designern und Architekten, die Trends formten, prägten und unterstützen. Dabei basierte seine Philosophie auf der Verschmelzung von Design, Architektur und Kunst. Mit einigen italienischen Design-Kollegen entwickelte Mendini das „Banal Design“. Diese Stilrichtung nahm vom Funktionalismus Abschied, denn die Gruppe verstand es, Alltagsgegenstände durch Hinzufügung von Mustern, Formen oder Farben neu zu interpretieren und aufzuwerten. Mendini selbst sprach auch von Re-Design.

Er schuf in diesem Stil verschiedene Objekte, z. B. Sitzmöbel. Ausgehend von Marcel Breuers Sessel „Wassily“, dem „699 Superleggera“ von Gio Ponti oder dem Thonet-Stuhl kreierte er ein neues Design für diese Werke, die er gewissermaßen ergänzte. Dies geschah auf zeitgemäße und gesellschaftspolitische Weise. Auch der Sessel „Proust“ (der auf einem Möbel im Louis-seize-Stil basiert) und das Sofa „Kandissisi“ sind Designs von Mendini.

Uhrendesigns von Mendini

Mit den Jahren 1989 / 1990 ging der Kalte Krieg zu Ende, der die Welt Jahrzehnte lang in zwei große Machtblöcke geteilt hatte. Die Ära nuklearer Bedrohung schien vorbei zu sein. Manche sprachen vom endgültigen Sieg der rechtsstaatlichen Demokratie. Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama rief sogar „Das Ende der Geschichte“ aus, weil er nun eine Ära ohne Kriege und Unterdrückung heraufziehen sah. Die Zeit war also wieder einmal reif für eine neue Design-Kunst, die eine Antwort auf den Zeitgeist sein sollte.

Mendini zeigte mit seinen Uhrendesigns seine Vision der 1990er-Jahre. Mit der Uhr „2. Clubspecial Lots of Dots“ schuf er etwas völlig Neues – und bezog sich dabei ausdrücklich auf eine künstlerische Tradition aus der Malerei. Die Uhr ist geschmückt mit vielen bunten Pünktchen, die sie in ein scheinbar zufällig angeordnetes Meer der Farben tauchen. Der Pointillismus stellte die Malerei auf ein wissenschaftliches Fundament und machte die Entwicklung der Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts erst möglich. Damit ist das Statement klar. Eine systematische, logische Basis fließt in dieser Uhr zusammen mit neuem Denken in der Kunst und einer Reflexion der eigenen Grundlagen.

Im Jahr 2015 erschien noch einmal eine Swatch-Uhr mit seinem Design, die stark von der „Lots of Dots“ beeinflusst ist. Die „Spot the Dot“ hat aber ein transparentes Gehäuse.

Bekannte Uhren: Alessi, Swatch, Türler

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