Ettore Sottsass

Oesterreich (* 1917 Innsbruck AT; † 2015 Mailand IT

Ettore Sottsass jr. war ein italienischer Architekt und Designer von Einrichtungs- und Alltagsgegenständen. Vor allem der von ihm geschaffene Stil des „Anti-Designs“ war der Grund für seinen Weltruhm. Sottsass wurde am 14. September 1917 in Innsbruck geboren und starb 90-jährig am 31. Dezember 2007 in Mailand.

Kindheit und Ausbildung

Die Eltern von Ettore Sottsass jr. Waren Antonia Peintner und der Architekt Ettore Sottsass senior, der von 1892 bis 1954 lebte. In den späten 1920er-Jahren zog die Familie nach Turin. Sottsass jr. begann 1935 ein Architekturstudium am Turiner Polytechnikum. Vier Jahre später bekam er sein Diplom.

Kriegszeit und Karrierebeginn

Nach seinem Studium musste Sottsass jr. einen siebenjährigen Militärdienst ableisten, sodass er erst ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges seine Karriere als Architekt, Maler und Designer in Mailand starten konnte. Schon 1947 gründete er sein eigenes Studio. Zwei Jahre später heiratete er Fernanda Pivon, die von 1917 bis 2009 lebte. Sie war Journalistin und Musikkritikerin und stammte aus Genua.

Höhepunkte seines künstlerischen Schaffens

Sottsass jr. wurde 1957 der künstlerische Leiter von „Poltronova“. Diese Gruppe von Designern und Architekten distanzierte sich vom funktionalistischen Design. Die Beteiligten stellten bürgerliche Werte, Konsum und Konventionen infrage.

Ettore Sottsass jr. entdeckte das neue Material Fiberglas für sich und nutzte es für zeitgenössische Beleuchtungskörper und Möbel.

Seit 1958 arbeitete er mit „Olivetti“ zusammen, einer italienischen Firma, die Büromaschinen herstellte. Sottsass jr. schuf in dieser Zeit bahnbrechende und unkonventionelle Designs, die ihn schnell berühmt machten. Der erste Computer von „Olivetti“, der „Olivetti Elea“, ist seine Schöpfung. Sein bekanntestes Design dieser Jahre war die Schreibmaschine „Olivetti Valentine“ von 1968. Sie fiel sofort ins Auge, weil sie knallrot, besonders leicht und tragbar war. Der britische Pop-Sänger David Bowie war ein bekennender Sammler von Sottsass-Objekten. Über die „Valentine“ soll er gesagt haben, dass es schier unmöglich sei, den Blick von ihr abzuwenden.

Sottsass jr. wurde stark von der Pop-Art beeinflusst. Erkennbar ist dies z. B. an der Innenausstattung der „Guglielmo Bar“ in Mailand. Auch seine Möbelkollektion für „Poltrona Frau“, die er von 1965 – 1967 entwickelte, trägt Spuren dieser revolutionären Stilrichtung. Im Jahr 1969 arbeitete Sottsass in Stockholm, wo er beispielsweise die „Superbox“-Schränke mit gestreiften Holzkuben designte.

Sottsass‘ Stil: Abwendung von der Konsumgesellschaft

Die Grundidee aus der Design-Werkstatt von Sottsass jr. lehnte offensiv den Besitzcharakter der Objekte ab. So entlockte der Designer der Alltagskultur einen spielerischen Akzent. Sottsass wurde auf diese Weise zum führenden Kopf des „Anti-Designs“. Viele Kritikerinnen und Kritiker empfinden seinen Stil als Poesie fürs Auge.

Die Designs galten als kreativ, verspielt, fröhlich und farbenfroh. Sie strahlten nicht die Zweckmäßigkeit des Funktionalismus aus, sondern eine positive Einzigartigkeit.

Für Sottsass gab es keine Grenzen zwischen Architektur, Design, Malerei und Bildhauerei. Sein Werk war komplex und seine Berufsauffassung als Designer breit gefächert.

Sottsass als Unternehmer

Sottsass jr. gründete 1980 sein Unternehmen „Ettore Sottsass Associati“. Im selben Jahr zählte zu den Mitbegründern der „Memphis-Design-Gruppe“, zu der Architekten und Designer gehörten. Diese Bewegung läutete das Ende des „Internationalen Stils“ ein. An seine Stelle trat ein emotionales Design, das ganz im Zeichen der Postmoderne stand. Neben Sottsass jr. waren Michele De Lucchi, Barbara Radice, Marco Zannini, Matteo Thun und Aldo Cibic von Beginn an dabei. Nach großen Erfolgen löste Sottsass die Gruppe 1988 wieder auf.

Preise und Ausstellungen

Sottsass jr. erhielt drei Mal den „Compasso d’Oro“, nämlich für seine Designs „Elea“ (1959), „Valentine“ (1970) und „Nuovo Milano“ (1989). Im Jahr 1994 wurde er mit dem „IF Design Award“ ausgezeichnet.

Mehrere Ausstellungen widmeten sich seinem Lebenswerk, z. B. auf der Biennale in Venedig (1976), im Centre Pompidou in Paris (1994) und im Design Museum in London (2007).

Bekannte Uhren-Designs

Sottsass‘ bekannteste Uhren-Designs kreierte er für Tissot. Auf den ersten Blick ist die Abwendung von der Nüchternheit des Funktionalismus erkennbar. Die Uhren strahlen Wärme und Gefühl aus, obwohl sie gleichzeitig klar und postmodern gehalten sind. Die Zeitmesser richten sich gegen den Konsum, denn sie entsprechen keineswegs dem Massengeschmack ihrer Zeit. Wer das Besondere und Menschliche schätzt, besitzt eine solche Uhr gerne.

Beispiel 1988:

tissot-sossass

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