Richard Paul Lohse

Richard Paul Lohse lebte vom 13. September 1902 bis zum 16. September 1988 und war einer der bedeutendsten Maler und Grafiker aus der Schweiz. Seine Vorliebe galt der konkreten und konstruktiven Kunst. Meist wissen nur eingeweihte Uhren-Fans, dass er auch tolle Uhren schuf. Zu seinen Modellen zählt die Omega. Eine Uhr dieser Reihe ist in schwarz gehalten, hat aber ein weißes Zifferblatt. Dieses ist schlicht und kommt ohne Ziffern aus. Die Zeiger sind wiederum schwarz und schmucklos. Damit schuf Lohse eine kontrastreiche Uhr, die ganz den Geist der funktionalen und praktischen Moderne atmet. Diese Omega erinnert entfernt an die Uhren aus dem Umfeld des Bauhauses. Andere Modelle werden von einem Zifferblatt geschmückt, auf dem die charakteristischen, systematisch-mathematischen und farbigen Rechtecke angeordnet sind.

Lohses Kindheit und Jugend

Lohse wurde in Zürich geboren und starb auch dort. Zunächst war er deutscher Staatsangehöriger. Erst ab 1935 wurde er in Zürich eingebürgert. Lohses Vater hieß Paul Richard und seine Mutter Maria Magdalena Krieg. Als er 13 Jahre alt war, starb sein Vater und ließ seine Mutter und ihn in bitterer Armut zurück. Daher musste Lohse Gelegenheitsjobs annehmen. Diese Not schärfte seine Sensibilität und seinen politischen Verstand für soziale Unterschiede und Probleme. Von 1918 bis 1922 absolvierte er eine Ausbildung zum Reklamezeichner. Sein Lehrmeister war Max Dalang. Außerdem besuchte er die Kunstgewerbeschule von Zürich. Lohse gehörte keiner Religionsgemeinschaft an. Seine erste Ehe mit Irmgard Burchard wurde nach relativ kurzer Zeit wieder geschieden.

Hinwendung zur konkreten Kunst

Der Maler Lohse war ein Autodidakt. Ab 1917 malte der erste figurative Bilder und wandte sich dabei zunächst verschiedenen Stilen zu. Zu seinen frühen Schöpfungen gehörten Stillleben, die dem Expressionismus zuzurechnen sind und Landschaftsbilder. Auch mit dem Kubismus experimentierte er. Obwohl sein Herz eigentlich für die Malerei schlug, blieb er bis in die 1960er-Jahre als Grafiker für Zeitschriften tätig.

Mit dem befreundeten Maler Leo Leuppi gründete er 1937 die „Allianz“, eine Gruppe schweizerischer Künstler, die der modernen Avantgarde angehörten. Lohse arbeitete in dieser Zeit viel im kubistischen Stil und widmete sich einzelnen Vertretern von „De Stijl“. Innerhalb der Allianz entwickelte sich allmählich die Stilrichtung, die man später konkrete Kunst nennen sollte.

Ebenfalls im Jahr 1937 begann Lohse in seinem eigenen Reklameatelier als Grafiker und Buchgestalter zu arbeiten.

Ab 1942 malte Lohse Bilder, die eine horizontal-vertikale Gliederung und Farbfelder hatten, die modular und seriell angeordnet waren. Die Module waren Quadrate oder Rechtecke. Deren Anordnung zueinander war speziell durchdacht und formte so den ästhetisch-optischen Bildeindruck. Dabei folgte Lohse mathematischen Prinzipien und benutzte standardisierte Bildelemente additiv. Lohse entwickelte für seine Bilder eine Anordnung, die sich in Analogie zu den Tontechniken der Zwölftonmusik befand. Diese Ordnungsprinzipien verkörperten bei Lohse das Wesen der Demokratie. Lohse bevorzugte für sein streng rationales Bildsystem die Bezeichnung „systematisch“.

Zwischen 1947 und 1955 gestaltete der die Zeitschrift „Bauen und Wohnen“. Ab 1958 gehörte er zu den Redaktoren der Zeitschrift „Neue Grafik“, die in Zürich erschien. Hier lernte er Augusto Giacometti kennen, ebenso Jean Arp und Le Corbusier. Vor allem der Kontakt mit Giacometti beeindruckte und prägte Lohse tief. Im Jahre 1968 nahm er an der 4. Documenta in Kassel teil. 1973 vertrat der die Schweiz bei der Biennale von Venedig. Neun Jahre später waren seine Werke auf der documenta 7 zu sehen.

Politisches Engagement als bekennender Antifaschist

Lohse war ein politisch denkender und engagierter Mensch und Künstler. Im Zweiten Weltkrieg setzte er sich für Emigranten ein, wobei er teilweise zu illegalen Mitteln greifen musste. Er gehörte zu einer antifaschistischen Gruppe, in der er seine spätere Frau Ida Alis Dürner kennenlernte. Lohse schloss Freundschaften mit progressiven Kreisen, die mit dem Zett-Haus in Verbindung standen. Er war einer der „Freunde des Neuen Bauens“ und kannte viele Avantgarde-Künstler. Ab 1942 war er Teil des „Schweizerischen Werkbundes“.

Lohse bleibt in Erinnerung

Als Lohse starb, gründete sich in Zürich die Richard Paul Lohse Stiftung. In Zürich und anderen Museen der Schweiz sind die meisten seiner Werke zu bestaunen.

Der Saarländische Rundfunk produzierte 1973 einen Fernsehbeitrag mit 15 Minuten Länge, der Lohse im Atelier in seiner Heimatstadt zeigte. Klaus Peter Dencker war für das Drehbuch und die Regie verantwortlich.

Bekannteste Uhren: Omega

Omega Art Richard Paul Lohse
©Omega Art, Richard Paul Lohse 1987

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