Paul Talman

Der schweizerische Maler, Bildhauer, Designer und Objektkünstler Paul Talman gehörte zu den bedeutendsten Vertretern der schweizerischen Konkreten und Kinetischen Kunst. Viele seiner Werke wurden dem abstrakten Geometrischen Konstruktivismus zugerechnet.

Talman wurde als Paul Thalmann am 14. Januar 1932 in Zürich geboren und starb am 21. Dezember 1987 in Ueberstorf. Er wuchs konfessionslos auf. Seine Eltern waren Paul Thalmann und Luise Alina Thalmann, geborene Höppli. Im Jahr 1963 heiratete Talman Edith Balmer.

Ausbildung und erste Werke

In Bern wurde Talman zum Lithografen ausgebildet. Während dieser Zeit wandte er sich den Künstlern der Berner Szene zu. Dieter Roth und Bernhard Luginbühl wurden seine Freunde.

Talmans Frühwerk stand noch im Zeichen der traditionellen Malerei und Zeichnung. Wenig später jedoch begann er, abstrakte Bilder zu schaffen. Erste Versuche in dieser Richtung sind seit 1949 überliefert.

Ab etwa 1955 versuchte Talman seine Bilder mit Bewegungen zu verschmelzen. Auf der Basis des Konstruktivismus entwickelte er einen neuen Zusammenhang zwischen geometrischen Farben und Formen.

Der Konstruktivismus ist ein Konzept in der Malerei, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Russland und der Sowjet-Union entstand. Überall in Europa entwickelten sich Malstile, die dieser Richtung folgten und sie jeweils neu interpretierten. Beispiele für die internationale Malerei, die aus dem Konstruktivismus hervorging, sind der niederländische „De Stijl“ und das „Bauhaus“ in Deutschland. In den theoretischen Manifesten des Konstruktivismus spielt ein gesellschaftspolitisches Element eine große Rolle. Konstruktivistische Darstellungen basieren nicht auf menschlichen Figuren, Tieren, Landschaften oder anderen Objekten. Konstruktivismus ist eine ungegenständliche Kunst, die ohne die Abstraktion von Anschauungen auskommt. Die Schweizerische Konkrete Kunst ist stark vom Konstruktivismus beeinflusst.

Talmans Hauptwerk und Designs

Etwa ab dem Jahr 1955 schuf Talman serielle Bilder als Gravuren in Acrylglas. Ein Jahr später zog es ihn nach Basel. Hier entwickelte er seine Loch- und Trichterbilder, die schnell als revolutionär und bahnbrechend galten. Ab den 1960er-Jahren kamen seine Rollenbilder und Kugelbilder hinzu, die kinetische Objekte waren und ihn weltberühmt machten. Im Zuge dessen siedelte er 1964 in die USA über und wandte sich dem Massachusetts Institute of Technology zu. In dieser Zeit designte er Möbel für Knoll International in New York. Er patentierte verschiedene Produktdesigns in Amerika, wie z. B. eine Wäscheschaufel, einen faltbaren Halter für Bierbüchsen und einen Partyaschenbecher. Später kreierte er dreidimensionale Ornamentbilder aus Plexiglas und Sandwich-Bilder.

Ausstellungen und Weltruhm

Seine Einzelausstellung in der Ausstellung „Bewogen Beweging“ im Stedelijk Museum in Amsterdam leistete im Jahr 1961 einen enormen Beitrag zu seiner Weltkarriere. Ein Jahr später wurde er in die „Groupe de Recherche d’Art Visuel“ in Paris aufgenommen. In New York wurde eine wichtige Ausstellung in der Byron Gallery (1965) zum Triumph. Auf der 4. documenta in Kassel zeigte er 1968 vier seiner kinetischen Kugelbilder.

Talman war nicht nur als schaffender Künstler tätig, sondern von 1959 bis 1972 auch als Art Director für eine Werbeagentur in Basel. Im Jahr 1973 zog die Familie Talman in das ehemalige Schloss in Ueberstorf um. Hier unterhielt er enge Kontakte zu verschiedenen Künstlern wie Jean Tinguely, Daniel Spoerri und Dieter Roth. Tinguely schuf vor allem bewegliche Skulpturen, die an Maschinen erinnerten. Spoerri stammte aus Rumänien und gründete die berühmte Eat-Art-Edition.

Die Musik zu Talmans Film „Spheric Art“ steuerten Rolf Liebermann und George Gruntz bei. Liebermann war ein Verwandter des Berliner Malers Max Liebermann. Bekannt wurde er durch Rainer Werner Fassbinders Film „Lili Marleen“, denn Liebermann hatte in den 1930er-Jahren eine länger dauernde Affäre mit der deutschen Sängerin Lale Andersen, die ausgerechnet in der Zeit der Nationalsozialismus berühmt wurde. Liebermann selbst stand politisch links und war jüdischer Herkunft.

Talman machte sich auch als Bildhauer einen Namen. Als Produktdesigner kreierte er z. B. Möbel und Uhren und entwickelte bekannte Corporate Designs (u. a. für Ilford und Sinar).

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