Michael Graves

Der US-amerikanische Architekt und Designer Michael Graves wurde am 09. Juli 1934 in Indianapolis (Indiana) geboren und starb am 12. März 2015 in Princeton (New York). Er entwarf prächtige Privatvillen und auch öffentliche Gebäude, die zu Sehenswürdigkeiten der Städte wurden, in denen sie stehen. Auch sein Geschmack für moderne Uhren war erlesen; besonders bekannt ist seine Spezialität, auf dem Zifferblatt nur die geraden Zahlen anzuführen – diese aber groß und auffällig.

Kindheit und Studium

Michael Graves Eltern waren Erma Graves (geborene Lowe) und Thomas B. Graves. Der Sohn wuchs in den Vororten der Stadt auf. Seiner Mutter verdankte er den Rat, später Ingenieur oder Architekt zu werden. Im Jahr 1952 schloss Graves die Broad Ripple High School ab. Wenige Jahre später erwarb er den Abschluss Bachelor in Architektur an der Universität von Cincinnati. Während seiner College-Zeit war er Mitglied in der Studentenverbindung Sigma Chi. Im Jahr 1959 schloss er seinen Master an der renommierten Harvard Universität ab. Da er den Prix de Rome von der American Academy in Rome gewann, durfte er zwischen 1960 und 1962 ein Nachdiplomstudium in Rom verbringen.

Graves war Hochschullehrer in Princeton und schuf herausragende Gebäude

Nachdem Graves aus Europa nach Amerika zurückgekehrt war, stellte ihn die Universität Princeton als Dozent an. Hier blieb er bis zu seinem Tod Hochschulprofessor. Im Laufe der Jahre bekleidete er zahlreiche Gastprofessuren, z. B. in Austin, Houston, Oregon oder Eugene. Schon 1964 hob Graves in Princeton sein eigenes Architekturbüro aus der Taufe. Während der 1970er Jahre rechnete die Architekturszene Graves zu den New York Five. Die New York Five waren eine Gruppe herausragender Architekten, die 1969 auf einer berühmt gewordenen Konferenz im New Yorker Museum of Modern Art einen neuen Baustil bekannt machten.

Das gewaltige, aber auch irgendwie elegante Portland Building wurde 1982 zum Inbegriff postmoderner Architektur, als deren Meister Graves lange Zeit galt.

Das Jahr 1991 brachte ihm die Aufnahme in die American Academy of Arts and Letters. Zehn Jahre später erhielt Graves die Goldmedaille des American Institute of Architects und 2012 erkor die National Academy of Design ihn zum Mitglied.

Im Jahr 2003 erlitt Graves eine Infektion, die ihn fortan von der Brust abwärts lähmte. Wie immer reagierte er mit Tatkraft. In der Folgezeit entwarf er behindertengerechte Gebäude und Geräte. Graves hatte vier Kinder und verbrachte seine letzten Jahre in Princeton.

Höhepunkte in Graves‘ Karriere

Zunächst baute Graves vor allem herrschaftliche Privathäuser, die deutlich von Le Corbusier inspiriert waren. In den 1980er Jahren trugen seine Werke Eigenschaften des Kubismus und setzten mit Farbeffekten eine spezielle Wirkung von hohem Wiedererkennungswert. Graves wollte zunehmend die Gebäude so designen, wie der menschliche Körper aufgebaut ist. Er ging sogar so weit, sich vorzustellen, welche Bereiche eines Gebäudes der Kopf, die Beine und der Körper sein sollten. Aus diesem Grunde schuf er bevorzugt hohe Gebäude.

Etwa mit dem Ende des Kalten Krieges um 1989 / 1990 vollzog er einen gewaltigen Wandel in seinem Architekturstil. Er wandte sich von der klaren und strikten Gebäudeeinteilung ab und baute Tierdarstellungen als gestalterische Elemente ein. Diese Entwicklung verdankte sich wohl auch dem Umstand, dass die Postmoderne, der man Graves zurechnete, zwar für einige Jahre umjubelt wurde, aber ihren dauerhaften Platz in der Architektur nie fand. Spätestens mit dem Ende des Ost-West-Gegensatzes überlebte sie sich schnell.  

Außer prächtigen Villen und monumentalen Bauten hinterließ Graves auch eine Vielzahl von Alltagsobjekten, die er entworfen hat. Neben Uhren sind dies z. B. Teekessel, Geschirr, Gewürzmühlen, Möbel, Badmöbel und weitere Sanitärgegenstände. Mit etwas 2.000 designten Gegenständen war Graves einer der aktivsten Designer des 20. Jahrhunderts.

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