Luigi Colani

(* 1928 in Berlin, Deutschland;)

Wer die gewagten und oft umstrittenen Designs von Luigi Colani kennt, vergisst sie nie wieder. Seine Formen für Autos, Möbel und Gebrauchsgegenstände kombinieren Kenntnisse der Aerodynamik mit biomorphen Aspekten. Was Colani an seinen Designs interessiert, ist also das Verhalten von Körpern in der Luft und die natürliche Gestalt von biologischem Material. Das Ergebnis ist eine organische Sprache der Form, die er selbst als Biodesign bezeichnet. Colanis Ziel ist die Vermenschlichung der Nahtstelle zwischen dem Menschen und seinen Maschinen.

Was zu Colanis Anfangszeit futuristisch oder einfach nur verrückt klang, ist heute längst brandaktuell geworden. Forscher vieler Industrienationen bemühen sich darum, künstliche Intelligenz zu schaffen. Diese Vision gehört schon lange nicht mehr in gespenstische Science-Fiction-Filme, sondern ist Teil unserer alltäglichen Gedankenwelt. Colani darf mit Fug und Recht als der Begründer des entsprechenden Designs gelten: Das Zusammenwirken von Mensch und Maschine hat er völlig neu erdacht.

Biografisches: Von Berlin in die Welt

Am 02.08.1928 wurde Colani geboren – in der kulturell inspirierenden, aber wirtschaftlich maroden deutschen Hauptstadt Berlin. Sein bürgerlicher Name lautete Lutz Colani. Sein Vater war ein Schweizer mit kurdischen Wurzeln und sein Mutter polnisch. Beide Eltern waren in kreativen Berufen tätig: Der Vater als Filmarchitekt und die Mutter als Souffleuse beim Theater. Ihr Chef war der berühmte Theaterregisseur Max Reinhardt.

Colani verbrachte seine Kindheit im Berliner Bezirk Johannisthal in der Nähe des ersten deutschen Flughafens. Seine Eltern regten seine Kreativität an, indem sie ihm nicht etwa Spielzeug kauften, sondern ihm ein Bastelzimmer einrichteten. Hier ersann und bastelte Colani sein Spielzeug einfach selbst. Die Eltern machten es ihm vor, waren sie doch beide handwerklich geschickt. Kaum war Colani vier Jahre alt, konnte er bereits mit einem Lötkolben umgehen und gestaltete mit Eisen, Gips, Ton oder Holz. So entstanden Schiffe, Flugzeuge und Fahrzeuge. Später fertigte er für die Frauen in der Nachbarschaft Schuhe an und änderte seine Kleidungsstücke.

Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte Colani Malerei und Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in seiner zerstörten Heimatstadt. Das Studium brachte ihm keinen Wissenszuwachs. Colani urteilte, dass die Professoren ihm im Bereich Bildhauerei nichts Neues beibringen konnten. Ab 1949 studierte er daher an der École polytechnique in Paris. Auch die Sorbonne zählte ihn zu ihren Studenten: Hier belegte er Kurse in Analytischer Philosophie. Das Jahr 1953 führte ihn über den Atlantik. In den USA arbeitete er ein Jahr lang für den Flugzeugbauer Douglas Aircraft Company in Kalifornien als Leiter der Materialforschung. Schon hier zeigte sich sein Talent für neue, ausgefallene Materialien. Zurück in Frankreich, designte er ab 1954 Karosserien aus Kunststoff, um dann zur Karosseriebaufirme Erdmann und Rossi in Berlin zu wechseln. Hier erwarb er grundlegende Kenntnisse über den Autobau. Es folgten weitere Stationen in diesem Bereich. Sein Alfa Romeo war 1957 der erste GT-Sportwagen der Welt, der die Nordschleife am Nürburgring in weniger als 10 Minuten fuhr. In den 60er und 70er Jahren designte er auch Möbel und andere Objekte.

Große Philosophie – weltweite Wirkung

Colani entwickelte für seinen universalen Anspruch eine 3D-Philosophie, die er allen Designs als Grundlage gab. Mit ihr konnte er nahezu alle Objekte, die sich gestalten lassen, perfektionieren. Wie oben bereits angedeutet, war Colani mit seinen revolutionären Ideen seiner Zeit weit voraus. Seine Kritiker hingegen warfen ihm vor, zu hoch hinaus zu wollen. Colani sei für Deutschland eine Nummer zu groß und ein Designer, der zu schnell und zu weit voraus denke, urteilten manche Colani-Gegner.

Kultstatus in Asien

Vor allem in Japan und China gilt Colani als der Design-Papst schlechthin und ist dort längst Kult. Schon 1973 luden 5 japanische Firmen den Star-Designer ein, in Japan ein Colani-Design-Center zu etablieren. Im Jahr 1982 wurde er für 5 Jahre Chefdesigner für verschiedene japanische Hersteller von technischen Geräten, z. B. Mazda, Sony und Canon. Colani hatte hier zum Teil über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und designte verschiedene Objekte, die ihn zum Star ihn Asien machten.

Bis heute scheint die asiatische Welt eine stärkere Affinität zum Werk Colanis zu haben, als etwa Europa oder Amerika. Colani selbst schätzt die stärkere Naturverbundenheit bei den Asiaten, durch die sie mit seiner 3D-Philosophie und den biomorphen Designobjekten mehr anfangen können. Die japanische Lehre Kimochi beeindruckte Colani besonders. Dabei gehen die Japaner von einer universellen Energie aus, die sie ki nennen und in der menschlichen Psyche verorten. Kimochi bedeutet, die Stimmung, die Gefühle, die Absichten und die Neigungen wahrzunehmen. Mit dem Kimochi-Konzept erkennen die Japaner an, dass wir nicht nur Geist und Körper, sondern auch Seele sind. Alles was wir mit Gefühl tun, gilt den Japanern als Ausdruck der Emotionen im Sinne des ki. Sie glauben, dass nur solche Dinge Erfolg und Dauerhaftigkeit besitzen.

Privates

Luigi Colani ist seit den 1990er Jahren mit Ya-Zhen verheiratet, die aus China stammt. Außerdem hat er zwei Söhne. Im Jahr 2002 verlegte Colani seinen Wohnsitz nach Karlsruhe-Neureut (um in die Nähe des Mercedes-Werkes Wörth für LKW zu sein). Vorher hatte er seinen Lebensmittelpunkt in Shanghai. Außerdem zieht er sich manchmal nach Mailand zurück. Colanis Sohn Solon Luigi ist freiberuflicher Designer in Berlin und spezialisiert auf Spezialeffekte im Film. Der jüngere Sohn Victor lebt in Hamburg und hatte lange eine Führungsposition in der textilverarbeitenden Industrie inne. Auch er ist im Nebenberuf Designer.

Colani arbeitet eng mit seinem Freund zusammen, dem schweizerischen Karosseriebauer Jürg Bärtschi. Sie entwickeln gemeinsam verschiedene Projekte für Flugzeuge und Fahrzeuge. Der Stardesigner hat ein ausgefallenes Hobby: Er taucht gerne im Pazifik.

Zu seinen Uhrendesigns zählt beispielsweise eine schlichte, aber sehr aparte Tischuhr aus fein poliertem Zinnguss.

Wikipedia


Ein interessanter Beitrag über Luigi Colani von Sabine von Fischer im im NZZ-Feuilleton vom