Als Linkshänder fühlt man sich oft von Alltagsgegenständen betrogen, da viele von ihnen für Rechtshänder konzipiert sind. Typische Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie etwa Scheren bereiten Linkshändern Probleme. Deshalb ist es wohl auch gerechtfertigt, dass es extra einen speziellen „Gedenketag“ dafür gibt. Seit dem 13. August 1976 gibt es den internationalen Linkshändertag (International Lefthanders Day).
Und auch die Armbanduhr stört am linken Handgelenk. Aus praktischen Gründen ist es aber üblich, die Uhr am weniger dominanten Arm zu tragen. Da die Rechtshänder eindeutig in der Überzahl sind, ist es nicht verwunderlich, dass die herkömmliche Bauweise der Armbanduhr für das Tragen am linken Handgelenk optimiert wurde. Doch auch für Linkshänder gibt es eine Alternative: Linkshänder-Uhren. Wir verraten Ihnen, welche Modelle für Linkshänder geeignet sind und was diese von herkömmlichen Armbanduhren unterscheidet.

Trägt man eine Armbanduhr links oder rechts?
An welchem Handgelenk tragen Sie Ihre Uhr – links oder rechts? Wissen Sie auch, warum Sie Ihre Uhr dort tragen? Eigentlich heisst es ja der Etikette nach, man solle die Uhr stets am linken Handgelenk tragen. Das gehört sich einfach so. Doch woher kommt diese Einstellung eigentlich?
Warum am linken Handgelenk?
Diese „Norm“ beruht auf der Annahme, alle Menschen seien Rechtshänder und tragen ihre Uhr dementsprechend an der weniger genutzten linken Hand. An sich ist dies ein logischer Gedanke, da man seine Armbanduhr so einem geringeren Risiko im Hinblick auf zufällige Beschädigungen aussetzt und sich bei Tätigkeiten wie dem Schreiben von ihr nicht gestört fühlt. Doch das Ganze hat einen Haken, denn die Grundannahme, es gäbe nur Rechtshänder, ist falsch.
Seit 2020 schätz man, dass der Anteil von Linkshändern an der Weltbevölkerung ist: Insgesamt bevorzugen 10,6 % aller Menschen die linke Hand und würden diese als die dominantere bezeichnen.
Warum sollten Linkshänder ihren Zeitmesser also an ihrem dominanten Handgelenk tragen und damit das Risiko eingehen, die Uhr beim alltäglichen Arbeiten zu beschädigen? Heutzutage pocht glücklicherweise niemand mehr darauf, Armbanduhren immer links tragen zu müssen. Man kann für sich selbst entscheiden, an welchem Handgelenk man seine Uhr gerne tragen möchte. In der Regel fällt die Wahl bei Rechtshändern also aufs linke Handgelenk, während es Linkshänder bevorzugen, ihre Uhr am rechten Arm anzulegen. Eine einfache Lösung für ein einfaches Problem, so scheint es. Doch nicht jede Uhr lässt sich ohne Weiteres am rechten Handgelenk tragen.

Was macht eine Uhr für Linkshänder aus?
Man sollte meinen, dass man eine herkömmliche Armbanduhr als Linkshänder einfach am rechten Handgelenk befestigen kann. Doch in diesem Zusammenhang stellt sich in erster Linie immer die Frage nach der Bedienbarkeit. Trägt man seine Uhr am rechten Arm, dann stellt man schnell fest, dass die Bedienbarkeit der Krone und der Tragekomfort durch den Sitz der Uhr stark eingeschränkt sind. Was nun?
Die Lösung scheint naheliegend: Man spiegelt einfach das Gehäuse und versetzt die Krone somit auf die andere Seite. Auf diese Weise erhält man eine Uhr, die für den Gebrauch am rechten Handgelenk konzipiert ist. Essenzielle Bedienelemente wie Krone oder Drücker können so auch während des Tragens bequem bedient werden. Doch nicht alle Uhren mit linksseitiger Krone sind ursprünglich als Ausführungen für Linkshänder gedacht. Ein kurzer Blick auf die Geschichte offenbart diesbezüglich ein paar uhrmacherische Tricks.
Die Geschichte der Linkshänder-Uhren
Als die Armbanduhr Mitte des 20. Jahrhunderts ihren Siegeszug antrat, war an serienmässige Ausführungen für Linkshänder noch längst nicht zu denken. Stattdessen wurden Modelle für Linkshänder von findigen und geschickten Uhrmachern als Sonderanfertigungen auf Bestellung hergestellt.
Eines der prominentesten Beispiele in diesem Kontext dürfte Charlie Chaplin mit seiner Rolex Oyster sein, die von dem Londoner Unternehmen Asprey umgebaut und verkauft wurde. 2013 wechselte diese Uhr auf einer Versteigerung für > CHF 50’000 den Besitzer. Als sogenannte „Destro“-Uhr erfreute sie sich unter Sammlern und Kennern aufgrund ihres prominenten Vorbesitzers einer grossen Beliebtheit, dass der ursprünglich geschätzte Wert von knapp CHF 10’000 deutlich überschritten wurde.

Altbackene Regeln: Destro-Uhren
Doch was sind Destro-Uhren? Hier spannt sich der Bogen zu den Tricksereien der Uhrmacher. Das Wort „destro“ ist italienisch und bedeutet übersetzt „rechts“. Der Name bezeichnet also Uhren, die für das rechte Handgelenk entworfen wurden. Oder etwa nicht? Zwar sind Destro-Uhren für Linkshänder tatsächlich eine sehr willkommene Alternative zu herkömmlichen Uhren, doch waren manche dieser Modelle der technischen Umsetzung der eigenen Fähigkeiten geschuldet.
Was kostet eine Armbanduhr für Linkshänder?
Wenn die Frage nach der preislichen Einordnung von Linkshänder-Uhren kommt, dann kann man wie bei allen Uhren im Luxussegment keine konkrete Antwort geben. Die Preisspanne fällt auch hier sehr groß aus. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass Uhren für Linkshänder nicht teurer oder günstiger sind als Uhren für Rechtshänder. Hier stellen Sie nämlich ihre eigene Antithese dar: Während Sie einerseits recht selten sind und dementsprechend sehr hohe Preise aufrufen könnten, fällt andererseits die Nachfrage für solche Uhren jedoch ziemlich gering aus. Aus diesem Grund sind die Preise in der Regel überschaubar, um die nicht ohnehin schon wenigen Interessenten auch noch zu verprellen.
Insofern rufen Uhren für Linkshänder durchaus solide Preise auf dem Gebrauchtmarkt auf und scheinen sich mit den Versionen für Rechtshänder die Waage zu halten. Sie sind eben nur etwas seltener zu finden.




